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Wasserstand Zwenkauer See:

Wasserstand derzeit um die 112,60 m ü.NHN bis Fertigstellung der Harth-Schleuse und des Harth-Kanals.

Endwasserstand nach Fertigstellung (ca.2022): 113,5 m ü.NHN

 
 
 


Hafen Zwenkau
Webcam Hafen Zwenkau
Zwenkauer See
Webcam Zwenkauer See
Fotogalerie Zwenkau
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Zwenkau - eine der ältesten Städte Sachsens

Jetzt ist es amtlich: Leipzig gehört zu den wenigen sächsischen Orten, die nachweislich schon in der ältesten Jungsteinzeit besiedelt waren. Dies belegen Funde, die Archäologen im Garten des Bosehauses an der Südseite des Thomaskirchhofes gemacht und jetzt ausgewertet haben. Danach war das Areal vor 7500 Jahren einer der ersten Orte in Sachsen, an denen der dichte Wald gerodet wurde und sich die ersten Bauern sesshaft niederließen. Vorsichtig gräbt sich Petra Schug in der kleinen Grube am Bosehaus tiefer. Die Grabungsleiterin war herbeigerufen worden, weil unter einer Lössschicht eine dunkle Verfärbung aufgetaucht war, nur etwa 50 Zentimeter mal 1,50 Meter groß. Schug ahnt, dass es sich dabei um einen verfüllten Erdkeller handeln könnte. Ganz vorsichtig gräbt sich die 35-jährige Leipzigerin mit einer Maurerkelle bis in die schwarze Fußbodenschicht und entdeckt dort die ersten Dinge: Neben einem verzierten Miniaturgefäß tauchen Bruchstücke von Mahlsteinen und Reibeplatten auf, auf denen vor langer, langer Zeit Getreide gemahlen wurde.

 

 

 

Auch Scherben von dickwandigen und groben Keramik-Gefäßen holt sie ans Tageslicht – Reste von Behältern, in denen einmal Nahrungsmittel aufbewahrt wurden. Die Grabungsleiterin hebt eine der fast hundert Scherben auf, um sie sich genauer anzuschauen und glaubt ihren Augen nicht: Auf dem notdürftig von Erde befreiten Stück sind breite Linien eingeritzt, wie auf Gefäßen aus der Jungsteinzeit. „Wenn das stimmt, wäre es eine riesige Überraschung“, durchzuckt es die Archäologin. Heute, rund ein halbes Jahr nach der Entdeckung, steht zweifelsfrei fest, dass die Artefakte und die Scherben aus der ältesten Jungsteinzeit stammen und rund 5500 Jahre vor Christus auf dem Areal an der heutigen Thomaskirche in die Erde kamen. „Die Gefäße haben nicht nur das breite Liniendekor der ältesten Linienbandkeramik, sondern sind auch aus Ton gefertigt, der einen ungewöhnlich hohen Anteil von organischem Material wie Stroh oder Spreu aufweist“, erzählt Schug. Außerdem haben die Archäologen an der Grenze des Gartens die Ecke eines steinzeitlichen Langhauses entdeckt – mit Pfostenreihen und Lehmgrube. „Solche Häuser konnten damals bis zu 30 Meter lang und zehn Meter breit sein“, erzählt Christiane Hemker, Referatsleiterin im sächsischen Landesamt für Archäologie. „In der Regel standen zwischen fünf und elf solcher Häuser zusammen, in denen jeweils eine Großfamilie mit zehn bis 20 Personen lebte. In der Jungsteinzeitsiedlung am Thomaskirchhof könnten also 50 bis 150 Menschen gelebt haben.“ Dass die Steinzeitleute sich ausgerechnet dort angesiedelt haben, ist für die Experten nicht verwunderlich. „Das waren die Ersten, die sich in dieses Gebiet hinein bewegt haben“, sagt Hemker. „Diese Leute kamen aus dem Süden – vielleicht aus dem Böhmischen – und suchten neuen unverbrauchten Boden. Damals war hier überall Wald und die Fläche des Bosehauses gehörte zu einem kleinen Plateau mit Flüssen und fruchtbaren Lössböden ringsum. Das waren damals ideale Bedingungen.“ Die Archäologen glauben, dass sich diese ersten Siedler im Laufe der Jahre vermehrt und im Umfeld weitere ähnliche Siedlungen entstanden sind. „Bei den Schachtarbeiten für das Karstadt-Warenhaus haben wir Dinge aus der mittleren Jungsteinzeit entdeckt, die etwa 300 Jahre jünger sind als die vom Bosehaus“, sagt Hemker. „Auch unter Breuninger am Markt gab es Keramik aus dieser Zeit.“ Denkbar sei, dass auch dort Siedlungen gestanden haben, die aber wegen der starken Bautätigkeit nicht mehr nachzuweisen sind. Wie lange die Steinzeitmenschen auf Leipziger Flur gelebt haben, wurde noch nicht herausgefunden. „Es gab mit Sicherheit längere Zeiträume, in denen das Stadtgebiet wieder unbewohnt war“, glaubt Hemker. Jüngste Forschungen hätten ergeben, dass die Steinzeit längst nicht so friedlich ablief, wie angenommen. Auch in der anschließenden Bronze- und Eisenzeit habe es Turbulenzen gegeben – bis hin zur Besiedlung durch Slawen, nachdem sich die damals ortsansässige germanische Bevölkerung der Völkerwanderung angeschlossen hatte. Durch die Funde am Thomaskirchhof gehört Leipzig jetzt zu den vier ältesten Siedlungen, die in Sachsen entdeckt wurden – neben Dresden-Mockritz, dem mittelsächsischen Salbitz sowie Zwenkau. „Frühere Spuren sind archäologisch nur sehr schwer fassbar, weil es in dieser Zeit nur Jäger und Sammler gab, die keine Siedlungen gegründet haben“, sagt Hemker. Dennoch belegen Funde, dass auch Jäger und Sammler in der Leipziger Tieflandsbucht heimisch waren: In Markkleeberg wurden unter anderem Faustkeile aus der Altsteinzeit gefunden – sie sind rund 150 000 Jahre alt.

Andreas Tappert, LVZ vom 9.12.2008