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Wasserstand Zwenkauer See:

Wasserstand derzeit um die 112,50 m ü.NHN bis Fertigstellung der Harth-Schleuse und des Harth-Kanals.

Endwasserstand nach Fertigstellung (ca.2020-22): 113,5 m ü.NHN

 
 
 


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Zwenkau im Eisenbahnzeitalter - Teil III

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Zur Eröffnung der Eisenbahnlinie
Gaschwitz - Zwenkau - Groitzsch - Meuselwitz


Die Bahn sah sich nach der Jahrhundertwende doch veranlasst, dem anwachsenden Personenverkehr Rechnung zu tragen und ihr Angebot an durchgängigen Verbindungen zwischen Leipzig und Zwenkau zu erweitern. Gab es um 1878 ganze 3 Zugverbindungen in jeder Richtung, erhöhten diese sich 1894 auf 8 (9), vor der Jahrhundertwende auf 10 (11) und im Jahre 1914 auf 18.

Unterschiede bestanden zwischen den Sommer- und Winterfahrplänen, Werk- und Feiertagen und den Fahrtrichtungen. Die befahrenen Streckenabschnitte wurden entsprechend dem Bedarf modifiziert. In einigen Fällen war auch Leipzig-Plagwitz Ausgangs- und Zielbahnhof. Die meisten Züge verkehrten nach 1900 durchgängig, verschiedentlich mußte aber auch noch in Gaschwitz umgestiegen werden. 1910 kam es zur Verlängerung des Bahnsteigs 1, im Jahre 1911 zu dessen teilweiser Überdachung und zu einer Erweiterung der Bahnhofshalle. An den Fahrkomfort konnte man auf der Zweigstrecke allgemein keine großen Ansprüche stellen. Um 1880 fuhren noch (nach Richard Schwarz) die "niedrigen, weiträumigen Wagen mit vielen kleinen Bänken und einem Gang in der Mitte".

Diese "Durchgangswagen" wurden erst später von den vieltürigen "Abteilwagen" abgelöst. Eine Besonderheit stellten im Eisenbahnverkehr von Anfang an die verschiedenen Wagenklassen mit ihren Unterschieden in Ausstattung, Fahrtkomfort und -preis dar. Ihnen entsprachen auf größeren Bahnhöfen ebenfalls nach Klassen getrennte Wartesäle. Die von den einzelnen Zügen geführten Klassen waren in den Fahrplänen vermerkt.

Auf unserer Strecke verkehrten anfangs Züge, die einige Abteile der etwas gehobeneren 2. Klasse mit straff gepolsterten Sitzen, überwiegend aber die Wagenklasse 3 anboten. Vor der Jahrhundertwende kam es zum verstärkten Einsatz von Wagen der 4. Klasse, die mit ihrem stabilen Holzinterieur besonders der "Reisenden mit Traglasten" Rechnung trug. Fahrpläne belegen die Kombinationen II - III, II - IV und III - IV.

Ab 1. Mai 1899 führten generell alle Züge auf der Strecke Gaschwitz-Meuselwitz die anspruchsloseste und damit preiswerteste Wagenklasse.
Angesichts heutiger Beförderungskosten bei der Bahn, dürften die Fahrpreise aus dem Jahre 1915 von Interesse sein:

Der Einheitspreis je Kilometer betrug in der I. Klasse 7 Pfennige, II. Klasse 4,5 Pfennige, III. Klasse 3 Pfennige und in der IV. Klasse 2 Pfennige.
Bis zu 1 Mark wurde auf 5 Pfg., über 1 Mk. auf 10 Pfg., "nach oben abgerundet".
Bei Fahrkarten der I. bis III. Klasse von mehr als 60 Pfg. wurde zusätzlich eine Reichsfahrkartensteuer erhoben.
Die Gültigkeit der kleinen Papp-Fahrkarten, die durch Lochen entwertet wurden, betrug 4 Tage. Der "Zwenkauer Anzeiger" vom 20. April 1899 berichtete über einige "Besonderheiten", mit denen man sich als "Billigst-Reisender" konfrontiert sah: Zwenkau. Die Reisenden der 4. Wagenklasse sind oftmals Belästigungen durch Hausierer, Musiker etc., die auf diese Weise den Gelderwerb sogar auf die Eisenbahnreise ausdehnen, ausgesetzt.

Demgegenüber sei darauf aufmerksam gemacht, daß die Schaffner und das übrige Zugbegleitungspersonal angewiesen sind, den Unfug des Hausierens, Musizierens, der Aufführung von Schaustücken und das Einsammeln (Anm.: von Geld) nach Möglichkeit zu verhindern. Ferner soll auch das Treiben der Hausierer auf den Bahnsteigen und in den Wartesälen scharf beobachtet werden. Ordnungswidrigkeiten haben Anzeigen und Strafe zur Folge.


Ob den eingeleiteten Maßnahmen durchgreifender Erfolg beschieden war, läßt sich allerdings nicht sagen! Im Jahre 1904 besaß der Bahnhof (vorrangig für den Dienstbetrieb) zur Nachrichtenübermittlung einen sogenannten "Reichstelegraphen" (Morse-Apparatur). Man richtete aber auch einen Kundendienst ein: An Wochentagen konnten Reisende (an Sonn- und Feiertagen zusätzlich Nichtreisende) zwischen 7.00 und 19.00 Uhr Privatdepeschen aufgeben.

Die Gastronomie begann im Bahnhofsbetrieb eine immer größere Rolle zu spielen. Genügte lange Zeit die kleine Wirtschaft (1878 Theodor Lindner, 1884 Clara verw. Lindner, 1893 Karl August Kellner) den anfangs bescheidenen Ansprüchen, so mußten sich die späteren Betreiber (1900/1901 Carl Lemmer, 1904 Emil Schaale/ 1926 Gustav Sander/ 1928 Paul Kluge, 1936 Fam. Hube, 1939 Walter Naumann) schon einiges einfallen lassen. Das Stationsgebäude erhielt zunächst einen flachen Restaurantanbau, es entstanden Freisitze (die "Colonnaden"), auch notwendigerweise öffentlich zugängliche Toiletten ("Abtritte").
Obwohl Zwenkau über eine große Zahl an Gaststätten verfügte, hatte das Bahnhofsrestaurant neben den Reisenden durchaus auch seine Stammkundschaft und sein ganz eigenens "Flair". Um neben der Konkurrenz bestehen zu können, mußten, dem spezifischen Publikumsgeschmack entgegenkommend, auch regelmäßig "Sonderangebote" an Speisen, Getränken und musikalischer Unterhaltung gemacht werden.

Nicht zuletzt bedurfte es der Verbesserung der Straßen- und Wegeverbindugen zum Bahnhof. Die "Eisenbahnstraße" (ehemal. Borngasse, spätere Ahnert- und heutige Arthur-Mahler-Straße) wurde begradigt und als zweite Zufahrt (neben der Bahnhofstraße) ausgebaut, um 1909 die verlängerte Albertstraße (heute Ebertstraße) angebunden. Unmittelbar vor dem 1. Weltkrieg dürften die Gestaltung des Vorplatzes, die Anpflanzung der heute noch vorhandenen Kastanien und die Namensgebung "Kaiser-Wilhelm-Straße" erfolgt sein.

D.Wünschmann