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Wasserstand Zwenkauer See:

Wasserstand derzeit um die 112,50 m ü.NHN bis Fertigstellung der Harth-Schleuse und des Harth-Kanals.

Endwasserstand nach Fertigstellung (ca.2020-22): 113,5 m ü.NHN

 
 
 


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Zwenkauer Bergbaugeschichte

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bildDer Tagebau Böhlen/Zwenkau - ein Teil der Heimatgeschichte

Quelle: Joachim Thürer (verstorben Juni 2014), Mitglied im Heimat- und Museumsverein Zwenkau und Umgebung e. V.


Von 1921 bis in die Gegenwart veränderte die Gewinnung der Braunkohle das Leben und die Landschaft südlich, östlich und nördlich von Zwenkau.
Das Abbaufeld des Tagebaus erstreckte sich von Böhlen nach Norden bis nach Markkleeberg. Die Ostgrenze bildete die Eisenbahnlinie Leipzig – Altenburg, die Westgrenze die Stadt Zwenkau. Nach 1970 wurde das Abbaufeld nach Westen bis an die Gemarkung Kleindalzig – Zitzschen erweitert.

In den Jahren 1920 – 1921 erfolgte die Vorbereitung zum Aufschluss des Tagebaus Böhlen. Erstmals wird der Einsatz einer Abraumförderbrücke vorgesehen.
Am 25. März 1921 beginnt mit dem Einsatz des Baggers 1 der Aufschluss. Der Bagger wurde von einer Dampfmaschine angetrieben, er verfügte über 250-Liter-Kratzeimer. Die Leistung betrug 300m³/h.
Erst 1929 wurde der Bagger auf Elektroantrieb umgerüstet.

Im April 1922 wurde ein weiterer 500l-Bagger im 2. Schnitt eingesetzt, der das Oberflöz freilegte.
Im Jahre 1924 wurde die erste Kohle aus dem Oberflöz gewonnen.
Für die Gewinnung des Oberflözes wurde der Bagger 9, ein ES 350 eingesetzt.

Am 24. Juni 1927 ereignete sich eine Havarie, deren Auswirkungen noch 1982 zu Betriebsstörungen im Tagebau  führten. Am Morgen jenes Freitags brach zwischen 7.00 und 7.30 Uhr der Damm der Ringspülkippe. Schlammmassen ergossen sich in die Tagebauausfahrt und in den Ort Lippendorf. Ein Kind kam im Schlamm und Wasser um.

Am  10. Januar 1930 geht die Abraum - Förderbrücke „Böhlen 1“ mit 2 Geräten in den Dauerbetrieb. Die Brücke hatte eine Spannweite von 180 - 200m, die Länge des Auslegers betrug 95m. Die größte Bauhöhe betrug 50m, das Gewicht 2300 Mp. Damit war eine Brückenleistung von 1250m³/h möglich. Die projektierte Kohleförderung des Tagebaus betrug  3 Millionen Tonnen Rohkohle im Jahr.  

Am 12. Mai1937 ereignete sich eine folgenschwere Havarie. Durch eine Sturmböe während eines Gewitters wurde die Kippenstütze etwa 60m abgetrieben und kippte über die östliche Stützkugel zur Seite.

Am 16. August 1937 wurde der Auftrag zum Bau der Abraum-förderbrücke „Böhlen 2“ (später AFB 18) an die Mitteldeutschen Stahlwerke Lauchhammer erteilt.
Bis Anfang März 1938 wurde im Tagebau der Montageplatz für die neue Brücke freigeschnitten und vorgerichtet.  Am 19. März 1938 begann die Montage der Förderbrücke.

Am 30. Juli 1939 ging die Abraumförderbrücke „Böhlen 2“ mit 2 Geräten in den Probebetrieb. Am 13. August nahm die Brücke mit den 4 Baggern der „Böhlen 1“ den Dauerbetrieb auf.
An den Baggern 3 und 4 wurden leichtere Eimerleitern montiert, dadurch war es möglich die 500l-Eimer durch 800l-Eimer zu ersetzen. Die Kohleförderung stieg auf 6 Millionen Tonnen pro Jahr.

Zu Beginn der 40er Jahre standen die Bagger des Tagebaus Böhlen nahe an den Häusern von Zeschwitz. Mit der Gründung der Aktiengesellschaft Sächsische Werke 1924 begann der Aufkauf der Landwirtschaftsbetriebe und Häuser in Zeschwitz durch die ASW.
Am 01. Mai 1943 war die Räumung des Ortes abgeschlossen. Erstmals wurde ein ganzes Dorf für die Gewinnung der Braunkohle abgebrochen.

Ab 12. April 1945 wurde die Abraumförderbrücke wegen der Kriegseinwirkungen stillgelegt. Vier Tage später besetzten  amerikanische Truppen das Werk. Die Förderbrücke wurde erst am 15. Juni wieder in Betrieb genommen.

Am 14. Januar 1957 wurde die Eisenbahnlinie Zwenkau – Gaschwitz wegen „Bergbaumaßnahmen“ stillgelegt. Die Gleise wurden demontiert.
An der Straße des Friedens in Großdeuben wurde ein Wohnhaus etwa 100m nach Osten gerückt. Es war ein einmaliger Versuch. Alle anderen Gebäude Großdeubens westlich der Straße des Friedens wurden abgebrochen.

Ab 1958 war die Wirtschaft der DDR in der Lage, notwendige Investitionen zu realisieren. Die mehr als 25 Jahre alten Abraumbagger wurden durch zwei Neubaugeräte, 2 DS 1600, ersetzt. Für die Zwischenlagerung der Kohle wurde ein zweischiffiger Bunker gebaut mit einem Fassungsvermögen von 2 x 2850 t. Aus diesem Bunker wurde die Rohkohle über eine Bandanlage zur Verladestation transportiert. Dafür standen 2 Bandanlagen mit einer Leistung von je 11oo t/h zur Verfügung.

In der Verladeanlage mit einer Leistung von bis zu 14.000t/Tag wurde die Kohle auf Züge der Deutschen Reichsbahn verladen. Zielbahnhöfe waren Leipzig, Karl-Marx-Stadt, Gera, Halle, Bernburg und weitere Orte mit Kraft- und Heizwerken.
Der größte Teil der geförderten Kohle (max. 2000 t/h) wurde jedoch im Kraftwerk Böhlen, den Brikettfabriken, in der Schwelerei und dem Druckgaswerk verarbeitet.
1959 wurden die 40 Jahre alten Eimerkettenbagger für die Kohleförderung durch zwei moderne  Schaufelradbagger des Typs SRS 800 ersetzt. Ziel war eine Leistungssteigerung des Tagebaus auf 14 Millionen Tonnen Rohkohleförderung im Jahr.

Zur Vorbereitung des Einschwenkens in das „Baufeld Eythra“ waren umfangreiche Umbauten an der Förderbrücke AFB 18 notwendig.
Im Norden der Stadt Zwenkau wurden die neuen Tagesanlagen (Betriebsanlagen außerhalb der Grube) ab 1964 etappenweise in Betrieb genommen. 1965 ging die Westausfahrt aus allen Schnitten in Betrieb.  Die Westteile des Ortes Gaschwitz wurden im gleichen Jahr abgebaggert.

Ab 01. Januar 1969 wurden die Kombinate Böhlen, Espenhain und Rositz zum VEB Erdöl-Verarbeitungs-Kombinat „Otto Grotewohl“ Böhlen zusammengelegt. In diesem Zusammenhang wurde der Tagebau Böhlen in Tagebau Zwenkau umbenannt.

1970  hatte der Tagebau den Markleeberger Ortsteil Zöbigker erreicht.  
Nun lagen im zukünftigen Baufeld Ortschaften wie Prödel und Cospuden sowie große Gemeinden wie Eythra.
Zu Beginn der 70er Jahre wurden alle Einwohner von Prödel und Cospuden  umgesiedelt und die Orte abgebrochen.  
Gleichzeitig wurden der Südteil von Zöbigker und der nördliche Teil Zwenkaus durch den Tagebau vernichtet.

Von der Mitte der 60er Jahre bis 1972 wurde die Fernverkehrstraße F2 verlegt. Die vom heutigen „Kap Zwenkau“ nach Norden zum Ortsteil Zöbigker verlaufende alte, schmale und kurvenreiche Straße wurde abgebrochen. Die Ersatzstraße als neue B2  führt von Zwenkau nach Osten bis zum Ortseingang Großdeuben über die zwischen 1950 und 1960 in den ausgekohlten Tagebau verkippten Abraummassen.

Etwa gleichzeitig wurde die F95 von Leipzig nach Chemnitz vom Tagebau Espenhain durchtrennt. Dies führte zu der Entscheidung, beide Fernverkehrstraßen auf dem „Sicherheitspfeiler“ zwischen den beiden Tagebauen östlich der Orte Großdeuben, Gaschwitz, Großstädteln als 4-spurige Fernstraße nach Leipzig zu bauen.
Die alte F95 wurde im Oktober 1972 gesperrt und abgebrochen.

Mit dem weiteren Vorrücken des Tagebaus nach Westen in Richtung Knautnaundorf und Zitzschen mussten die Weiße Elster, die Bahnlinie Leipzig – Zeitz und die F186 von Zwenkau nach Hartmannsdorf in kurzer Zeit verlegt werden.
Am 28. Dezember 1978 wurde das neue Flussbett der Weißen Elster geflutet.

Im Jahr 1980 begann die Umsiedlung der Einwohner von Bösdorf
Die Gemeinde an der Weißen Elster war auch der Standort des „Stahl- und Hartguss-Werks Bösdorf“. Dieser Betrieb hatte für die Kohleindustrie große Bedeutung. Dort wurden Teile der Eimerketten für Bagger aller Größen gegossen. Nur wenige Kilometer vom Werk entfernt wurde das neue Stahl- und Hartgusswerk in Knautnaundorf errichtet

1981 standen die Tagebaugeräte noch zwischen den Fundamenten der Bösdorfer Häuser, da erreichten die im Südabschnitt eingesetzten Bagger schon das größte Dorf, das vom Tagebau Zwenkau überbaggert worden ist, Eythra.

In den Jahren 1977 bis 1984 wurde in großem Umfang rekonstruiert. 1980 wurde der seit 1939 betriebene Hauptführerstand der AFB durch eine modernere Anlage ersetzt.  Wesentlich zu nennen sind moderne Fahrwerke, Girlandenrollen an allen Bandstraßen, Zentralschmieranlagen und Änderungen der Gleisroste.
Damit wurde in den Jahren 1959 bis 1990 die Anzahl der je Schicht auf der Brücke erforderlichen Arbeitskräfte von 37 auf 18 gesenkt.

Im Jahre 1986 errichte der Tagebau den vorgesehenen Drehpunkt Eythra. In den nächsten Jahren wurde reiner Schwenkbetrieb gefahren mit dessen Fortschreiten der Ort Eythra abgebaggert wurde. Etwa an dieser Stelle befindet sich heute der Aussichtspunkt am Eichholz.

In den Jahren 1990 bis 1993 wurde um die Weiterführung des Tagbaus Zwenkau gestritten. Es wurde die Forderung nach dem sofortigen Stillstand der Anlagen erhoben. Demonstrationen wurden organisiert und schließlich ein Kompromiss gefunden, der die Südgrenze des Tagebaus mit der Linie Eythra – Zitzschen festlegte. Aus dem Tagbau Zwenkau wurden am 31. März 1991 alle Beschäftigten entlassen, die älter als 57 Jahre waren.

Im Oktober 1998 erreichten der Bagger 1522 und die Förderbrücke die festgelegt Abbaugrenze des Tagebaus Zwenkau. Die Förderbrücke wurde etwa in der Mitte des Tagebaus abgestellt.
Im Jahre 1999 wurden alle dem Oberflözschnitt  folgenden Schnitte bis an die geotechnisch festgelegten Abstände ausgebaggert.

Im September 1999 wurde der letzte Kohlezug im Tagebau Zwenkau beladen. Der Tagebau wurde stillgelegt.

Durch die LMBV wurden in den vergangenen Jahren noch einmal 14 Millionen Kubikmeter Erde bei Herstellung der Böschungen für den Zwenkauer See mit mobiler Erdbautechnik bewegt. Am 09.März 2007 gab Ministerpräsident Milbradt das offizielle Kommando zur Flutung des Restloches des Tagebaus Zwenkau.
Mit dem entstehenden „Zwenkauer See“ beginnt ein neues Kapitel in der Geschichte des Ortes.

 

Tagebau Zwenkau AFB 18
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