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Wasserstand Zwenkauer See:

Wasserstand derzeit um die 112,60 m ü.NHN bis Fertigstellung der Harth-Schleuse und des Harth-Kanals.

Endwasserstand nach Fertigstellung (ca.2022): 113,5 m ü.NHN

 
 
 


Hafen Zwenkau
Webcam Hafen Zwenkau
Zwenkauer See
Webcam Zwenkauer See
Fotogalerie Zwenkau
Fotogalerie Zwenkau

Vom Grubenrand zum Luftkurort

Die Stadt Zwenkau ist mit 1034 Jahren eine der ältesten Städte Sachsens. In den Jahren ihres Bestehens erlebten die Stadt und ihre Bürger eine sehr wechselvolle Geschichte mit vielen Höhen und Tiefen.
Im 20. Jahrhundert wurde das Schicksal der Stadt von mächtigen, unter dem Leipziger und Zwenkauer Elsterland liegenden Kohleflözen bestimmt. So begann im Jahr 1921 der Aufschluss des Braunkohleabbaufelds für den Tagebau Zwenkau, der bis zum heutigen Tag die Entwicklung der Stadt prägte.

Nach anfänglichem wirtschaftlichem Aufschwung verlor die Stadt aber ab Mitte der fünfziger Jahre immer mehr an Attraktivität. Mächtige Bagger verschlangen erst die Nadelwälder der Harth, danach die nördlichsten Siedlungen der Stadt, die Nachbardörfer Bösdorf und Eythra und große Teile des für die Region charakteristischen Auenwalds, kurz, einfach alles, was den Reiz dieses Stückchens Erde ausmachte. Immer mehr vor allem junge Menschen zogen weg, und die Stadt begann zu sterben.

Einsprüche, ja sogar leise Proteste der Bürger und Naturschützer blieben ohne Erfolg. Beispielsweise nutzten die Zwenkauer Bürger die jährlichen Faschingsveranstaltungen, um ihren Protest zum Ausdruck zu bringen. Der Refrain eines Karnevalsschlagers von Heinz Walter aus dem Jahr 1986 lautete: »Bösdorf – du warst einmal ein Dorf im Elstertal, was man mit Eythra macht, kann Zwenkau geschehen über Nacht«, und weiter: »Zwenkau – du warst einmal ..., was man mit Zwenkau macht, kann Leipzig geschehen über Nacht«.

Aber auch Hoffnung und Weitsicht der hier lebenden Menschen brachten die Faschingslieder zum Ausdruck. Als hätte er die heutige Entwicklung vorausgeahnt, textete Hans Georg Einicke bereits 1976: »Im Jahr 2000 ist alles vorbei, die Kohle ist alle und Zwenkau ist frei, von Wäldern und Auen wohin wir auch schauen, als Resümee – ein riesiger See«.

Tatsächlich wurde am 30. September 1999 der Kohleabbau in Zwenkau eingestellt. Aber bis zu diesem Tag gab es um das Abbaukonzept für den Zwenkauer Tagebau noch harte Auseinandersetzungen zwischen den Bergleuten und den Bürgern der Stadt. Die große Hoffnung, dass 1989 mit dem Fall der Mauer diese einschneidende, Mensch und Natur missachtende Entwicklung des Braunkohleabbaus ein Ende habe, erfüllte sich nicht so ohne weiteres. Laut damaligem Braunkohleplan sollten dem Weiterbetrieb des Tagebaus bis 2005 noch die Elsteraue und Teile des Eichholzes geopfert werden. Jedoch die friedliche Revolution von Leipzig noch in Erinnerung, mobilisierten der Heimat- und der Bürgerverein, mit Bürgermeister Herbert Ehme an der Spitze, die Zwenkauer zum Kampf für die Zukunft ihrer Heimatstadt. Nach Protestbriefen an die Regionale Planungsstelle, Bürgerforen und einer eindrucksvollen Demonstration am 17. Februar 1993 mit einer Lichterkette von den Imnitzer Lachen bis zum Abzweig Zitzschen, an der etwa zweieinhalbtausend Menschen teilnahmen, wurden eventuelle Änderungen der vorliegenden Braunkohleplanung in Aussicht gestellt.

Alle an der Braunkohleplanung Beteiligten setzten sich am Tisch des Bürgermeisters mit Vertretern der Region und des Bergbaus zusammen und überarbeiteten unter Beachtung der Interessen der Bergleute und der Zwenkauer Bürger die vorliegenden Pläne. Der Regionale Planungsverband beschloss im Mai 1993 eine geänderte Abbautechnologie als Grundlage für den Braunkohleplan Zwenkau. Die besagte: Zwenkau wird als Sanierungstagebau bis 1999 weiter betrieben – eine Variante, die für die Bergleute ein geordnetes Auslaufen des Tagebaus bedeutete. Auch die Stadt Zwenkau hatte mit dieser Abbauvariante wieder eine Zukunft. Der Tagebauleiter Peter Winkler und der Bürgermeister Herbert Ehme steckten zum Zeichen der gemeinsam erreichten Lösung die Abbaugrenze für den Tagebau Zwenkau für alle Bürger sichtbar ab.

Von diesem Zeitpunkt an entstand zwischen den Bergbaubetreibern und der Stadt eine enge Partnerschaft. Nun galt es gemeinsam eine fast dem Abriss geweihte Stadt wiederaufzubauen. Aufgrund eines über die Stadt Zwenkau jahrzehntelang verhängten Bauverbots befanden sich die Häuser, die Straßen und die Ver- und Entsorgungssysteme in einem katastrophalen Zustand. Fast alles galt es zu sanieren und zu erneuern. Wir haben uns dieser Herausforderung gern gestellt und mit vielen Freunden und Partnern konsequent an der Erneuerung unserer Heimatstadt gearbeitet.

 

 

 

 

 

Die Vision von der Entwicklung der verfallenen Stadt zum sächsischen Seebad wurde von vielen Beobachtern in Frage gestellt oder gar belächelt. Nichtsdestoweniger, mit dem ersten Spatenstich für den Gewerbepark Zwenkau am 11. Juli 1991 begann die Erfolgsgeschichte unserer Stadt. Viele namhafte und renommierte Firmen siedelten sich an. Es entstanden etwa zweitausend neue Arbeitsplätze. Steuern flossen in das Stadtsäckel – eine wesentliche Voraussetzung für die Sanierung des Innenstadtbereichs und die Erneuerung der Infrastruktur. Neue Wohngebiete wurden erschlossen und bebaut. Die Privatisierung und Sanierung des maroden Wohnungsbestands war ein weiterer Entwicklungsschwerpunkt. Der Zuzug vieler junger Familien ist ein Zeichen für den Erfolg unserer Arbeit. Mit der Fahrt des letzten Kohlezugs am 30. September 1999 begann eine weitere Etappe in der Entwicklung Zwenkaus.

Unsere Visionen und unsere Träume nahmen langsam, wenn auch zuerst nur in Plänen, Gestalt an. Und schon sangen unsere Karnevalisten: »Im Jahr 2000 fängt alles erst an, da stehn wir Zwenkschen bestimmt vorne dran. Durch Wälder und Auen, da können wir schauen auf den Zwenkauer See, viel Segel – olé!« Mit diesen Liedern und vielen anderen Aktionen zeigten die hier lebenden Menschen ihre enge Verbundenheit mit ihrer Heimat. Der Traum vom Bad Zwenkau wird langsam Realität. Planer, Investoren, Bergbausanierer und die Stadt arbeiten gemeinsam an der Verwirklichung dieses Traums. Mit der Eröffnung des Bergbaupavillons am »KAP ZWENKAU« am 2. April 2006 ist der Anfang gemacht. Von der Sonnenterrasse des Pavillons aus kann man gut den Ausbau des Hafenterrains beobachten. Mit „KAP ZWENKAU“ wird ein neues urbanes Zentrum direkt am zukünftigen Zwenkauer See entstehen. Einen weiteren historischen Tag für die Stadt Zwenkau markiert der 9. März 2007. Knapp ein Jahr nach Eröffnung des Bergbaupavillons ließ es sich selbst Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt nicht nehmen, mit einem symbolischen Knopfdruck den Befehl »Wasser marsch« für die Flutung des Zwenkauer Sees zu geben. Tausende Menschen aus Zwenkau und der Region, die schon immer mit Freude und Spannung den Wandel der Landschaft verfolgten, wohnten diesem Ereignis bei. Welche Bedeutung der 9. März 2007 für Zwenkau und die Region hatte, zeigte die regionale und überregionale Presseresonanz. So lautet eine Schlagzeile im Sachsen-Sonntag: »Eine blaue Lunge – größer als der Tegernsee«. Die Bietigheimer Zeitung schreibt: »Ein Kohlerevier wird zur Seenplatte – Neues Gewässer in 7 Jahren größer als der Tegernsee«, und »Ausflugsdampfer statt Braunkohlebagger« lautet eine Schlagzeile in der Stuttgarter Zeitung. Sich im Wind kräuselnde Wellen, bunte Segel, Ausflugsdampfer, über den See schwebende Gondeln einer Seilbahn, fröhliche Menschen im Hafen, am Badestrand, im Feriendorf oder auf dem Campingplatz – das sind die Bilder, die vor den geistigen Augen vieler der am „KAP ZWENKAU“ sammelten Besucher vorbeiziehen. Und all das wird hier am Zwenkauer See Wirklichkeit werden – die entsprechenden Planungen liegen vor und werden Schritt für Schritt verwirklicht. Das Richtfest für eine neue Kindertagesstätte wurde am 9. November 2007 gefeiert und der Baustart für das Hafenbecken wurde am 28.01.2008 persönlich durch Bürgermeister Herbert Ehme mit einem symbolischen ersten Baggerbiss verkündet. In nur wenigen Jahren wird hier im Süden der Stadt Leipzig ein Erholungs-, Freizeit- und Wassersportparadies entstehen. Bootstouren zwischen den Seen und in die Stadt Leipzig oder Radtouren im Leipziger (Neu)Seenland versprechen reichhaltige Abwechslung. Ein Wellnessurlaub im Seebad »Luftkurort« Zwenkau ist schon heute keine ferne Vision mehr.

Herbert Ehme, Bürgermeister Zwenkau
in Leipziger Blätter · Sonderausgabe Mitteldeutsche Seenlandschaft · 2007