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Wasserstand Zwenkauer See:

Wasserstand derzeit um die 112,50 m ü.NHN bis Fertigstellung der Harth-Schleuse und des Harth-Kanals.

Endwasserstand nach Fertigstellung (ca.2020-22): 113,5 m ü.NHN

 
 
 


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Feuerlöschwesen in Zwenkau

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Die Entwicklung des Feuerlöschwesens
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Die Anfänge des Feuerlöschwesens

 

Innerhalb von zwei Stunden war am 12.Mai 1712 die gesamte Stadt ein rauchender Trümmerhaufen. Voll traf es auch die südlich angrenzende "Pegauer" Vorstadt, während der in größerem Abstand zur "inneren Stadt" gelegene "Berg" höchstwahrscheinlich von den Flammen weitgehend verschont blieb. Man ging von Brandstiftung aus, da es mehrere Brandherde gab, konnte aber keinen Brandstifter ermitteln bzw. dingfest machen. Möglicherweisetrug auch der Wind das brennende Stroh der Dächer fort und sorgte damit für die rasche Ausbreitung des Feuers.

In einer der ersten nach dem Stadtbrand angelegten Ratsakten findet sich folgender Bericht:

Wir Bürgermeister und Rath zu Zwenckau Uhrkunden hiermit gegen Männlich welcher gestalt (dieses) Verhängnüs durch böse Läute am (...) 12.May jüngsthin allhier eine entsetzliche Feuers brunst entstanden, welche dermaßen über Hand genomen (...) und dann 1 1/2 Stund lang nicht allein die Kirche samt den Glocken thurm Pfarr Schul Rath und Brau=hauß sondern auch 71 Bürger häußer außer der Scheunen und Ställe jämmerlich in Asche geleget worden, Wann dann uns dieses unglück und Brandschaden Auß dem rath selbst ahn unsern Rath hauße und übrigen (...) gebäuden zusamt den gantzen Archiv und allen (...) Uhrkunden betroffen.
(So hat) die schnelle Gluth solches von Grund aus Verzehret daß halber Wir auf 3000 (Taler?) Werth schaden gelitten...
(Anm.: Die Auslassungen und Ergänzungen sind der schweren Lesbarkeit des Dokuments geschuldet!)


Mit dem Rathaus war also das gesamte Ratsarchiv vernichtet worden Daraus resultiert die weitgehende Unkenntnis wichtiger stadtgeschichtlicher Vorgänge in den Zeiten vor 1712. Anderen überlieferungen zufolge soll die Stadt in den urückliegenden Jahrhunderten schon mehrmals unter Feuersbrünsten schwer gelitten haben. Erst 18 Jahre zuvor, 1695 (den 26.May) hat Zwenckau Gottes Feuer=Ruthe gefühlet und 1644 - während des 30-jährigen Krieges - hat der General Torstenson mit Feuer und Raub übel gehauset.
Zwangsläufig stellt sich die Frage, wie zu damaliger Zeit versucht wurde, der permanenten Feuergefahr zu begegnen. Der städtische Brandmeister Johannes Schaaf schrieb dazu 1914 in der Festschrift zum 50-jährigen Jubiläum der FFW Zwenkau folgendes:

Von Seiten der Landes-oder Stiftsregierungen regelte man durch strikt durchgeführte und vom Bürger genau einzuhaltende Bestimmungen den Umgang mit Feuer und Licht und beugte somit der durch Fahrlässigkeit entstandenen Vernichtung zusammenhängender, aus Holz erbauter und mit Stroh bedachter Gebäude vor. Enge Straßen und Gassen, die zumeist sehr winkelig angelegt waren, Häuser mit weit ausspringenden Gesimsen und hölzernen Erkern, die durch Balken mit den Nachbargebäuden zusammenhingen, boten dem gefräßigen Element Nahrung, sich besonders bei Trockenheit in wenigen Minuten ganzer Straßenzüge zu bemächtigen, Menschenleben zu vernichten und Hab und Gut in Asche zu legen.
Zum Schutz erließ man Vorschriften, daß an Straßenecken große mit Wasser gefüllte Fässer aufgestellt wurden, die nach Art der Schlitten auf Kufen fortzubewegen waren; man errichtete dort, wo Quellen vorhanden, offene Brunnen und Senklöcher, aus denen man Wasser schöpfte und verlangte, daß in jedem Hause an leicht erreichbarer Stelle eine Leiter und ein lederner Wassereimer aufbewahrt wurden.

Das entsprach nun nicht unbedingt dem bis dahin erreichten Stand der Technik, denn bereits in der Antike kannta man Wasserpumpen, im 15.Jahrhundert Handspritzen, im 16./17. Jahrhundert bereits fahrbare Feuerspritzen, die zudem fortwährend Verbesserungen erfuhren. Nur waren diese Monstren schwer, unhandlich und ... teuer. Es wird berichtet, daß an 30 kräftige Männer für deren Bedienung nötig waren und die Geräte gewöhnlich ihren Dienst versagten, wenn man sie am dringensten brauchte. Das war nun der Bereitschaft zur technischen "Aufrüstung" nicht gerade förderlich.

Zwenkau besaß 1712 mit Sicherheit keinerlei zeitgemäße Löschtechnik, ja man dürfte an dem bewußten 12.Mai nicht einmal den Versuch unternommen haben, sich ernstlich gegen die Flammen zur Wehr zu setzen! Jederman war wohl darauf bedacht, Leib und Leben und einiges Hab und Gut zum überleben zu retten. Schiller faßt das Ausgeliefertsein der Menschen an die Macht des entfesselnden Feuers in die bekannten Worte

"Alles rennet, rettet, flüchtet, taghell ist die Nacht gelichtet."Und
"Hoffnungslos weicht der Mensch der Götterstärke, müßig sieht er seine Werke und bewundernd untergehn."
Die "Hinterlassenschaft" eines Brandes beschreibt er so: "Leergebrannt ist die Stätte, wilder Stürme, rauhes Bette; in den öden Fensterhöhlen wohnt das Grauen und des Himmels Wolken schauen hoch hinein. Einen Blick nach dem Grabe seiner Habe sendet noch der Mensch zurück... greift dann zum Wanderstabe und verläßt den "wüsten", unbewohnbaren Ort."

Wo und wie nun die "ausgebrannten" Bewohner Zwenkaus hausten, bis sie wieder ein festes Dach über dem Kopf hatten, ist nirgendwo vermerkt.
Man müßte meinen, sie seien aus Schaden klug geworden, denn "gebranntes Kind scheut (bekanntlich) das Feuer!" Doch sie taten sich erstaunlicherweise auch künftig mit der Organisation eines wirksamen Brandschutzes recht schwer. Man gewinnt den Eindruck, daß sich ohne behördlichen Nachdruck kaum etwas bewegt hätte.
Schaaf schrieb: "Sicher ist (...) daß es den Regierungen (d.h. der Stiftsregierung und dem Stadtrat) viel Mühe gekostet hat, die Getreuen von der Notwendigkeit eines geregelten Feuerlöschdienstes zu überzeugen." Dabei mußte man eigentlich begriffen haben, "daß einzig und allein das gemeinsame Vorgehen der Bürger eine Feuersbrunst ersticken könne und daß ein geordneter und nach bestimmten erprobten Grundsätzen eingeleiteter gemeinsamer Angriff das Feuer am ehesten einzudämmen und löschen können."

Zwenkaus Stadtväter hatten es zugegebenermaßen nach dem Stadtbrand nicht leicht, alles in den Griff zu bekommen. Erstens fehlte es - trotz der Spendenfreudigkeit vieler Gemeinden, Institutionen und Einzelpersonen im ganzen Land - an Geld, Geld und nochmals Geld! Alle Zeit und Mühe galten der Geldbeschaffung und dem Wiederaufbau der Stadt. Welchen Kraftaufwandes das bedurfte, läßt sich heute wohl kaum noch nachvollziehen!



Die Entwicklung des Feuerlöschwesens

 

 

Die folgende chronologische übersicht soll nun die Entwicklung des Feuerlöschwesens bis 1864 - dem Entstehungsjahr der freiwilligen Turner-Feuerwehr - verdeutlichen.
(Faktengrundlage: "Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr zu Zwenkau" aus dem Jahre 1914, nach gründlichem Studium der Feuerlöschakten erarbeitet von Johannes Schaaf)

1712 (16.06.) Sachsens Kurfürst (und polnischer König) August, genannt "der Starke", mahnt aufgrund des Schadensereignisses die Aufstellung einer Feuer=Ordnung an.
1717 (08.03.) Der Landesherr wiederholt seine Forderung, droht jedem Stadtrat bei weiterer Mißachtung 10 Taler Strafe und der Stadt im Falle eines neuerlichen Brandes die Versagung jeglicher Unterstützung an. Das tut seine Wirkung.
1719 (20.06.) ergeht eine General-Feuer-Ordnung im Herzogtum Sachsen-Merseburg. Diese orientiert nicht nur auf die Brandbekämpfung, sondern erstmals auf vorbeugenden Brandschutz. Es erfolgen Visitationen durch einen vom Rat bestellten Feuer-Commisar, der befugt ist, Geldstrafen zu verhängen
1721 wird dem Rat eine neu erfundene "Pulver-Feuerlöschmaschine" zum Kauf angeboten, durch die das Feuer geschwinde verlöschet werden könnte. Zu diesem Zeitpunkt verfügt die Stadt über Sturmleitern und -fässer, Eimer, Handkübel und die ständig wassergefüllten Braugefäße der 48 (!) Brauherren, die sie für ausreichend hält. Wenn auch widerwillig, werden dann doch noch 3 dieser Lösch-Geräte für insgesamt 9 Taler angeschafft.
1723 wird festgestellt, daß die Häuser der "inneren Stadt" sämtlich mit Ziegeln gedeckt sind, während die der Pegauer Vorstadt noch Strohdächer haben.
Dem Stadtrat werden (wahrscheinlich quartalsweise) durch die Oberbehörden Visitationsprotokolle abgefordert.
1729 werden neben den traditionellen Brandbekämpfungsmitteln auch 2 Handspritzen genannt. Alles in allem wird aber die Technik als "nicht hinlänglich" bezeichnet, deren "Vermehrung" gefordert, ferner werden die Abschaffung hölzerner Essen und Schindeln sowie der Strohdächer angemahnt und bei Nichtbefolgung Sanktion angedroht.
1735 (27.06.) wird die 2. Feuer-Ordnung der Stadt aufgestellt. Sie enthält eine Namensliste (75 Bürger) sowie die Löschbezirke und Aufgabenbereiche. Johann Christoph Schubert wird als erster "Steiger" genannt.
1744 erscheint eine "Revidierte Feuerordnung", die neben den wichtigsten Festlegungen von 1719/1735 auch Hinweise zur Evakuierung der Bürger und zu Beihilfen für Brandgeschädigte aus der "Allgemeinen Brand-Casse" und städtischer Fonds enthalten.
In einem Nachtrag werden Hinweise zum vorbeugenden Brandschutz gegeben und in einem weiteren die vorhandenen (nun deutlich umfangreicheren) Brandbekämpfungsmittel genannt.
1745 erhält Johann Georg Freytag das Privileg als "Feuer-Maurer-Köhrer" (Essenkehrer).
1746 besitz die Wehr eine große und eine kleinere Feuerspritze aus Messing und 2 Spritzenhäuser. Löschwasser kann 4 öffentlichen, 12 privaten Brunnen und dem Floßgraben entnommen werden. Der Kirchner erhält Instruktionen zur Alarmierung bei Bränden
1766 werden der Rats-Beisitzer Johann Friedrich Kittel als erster Kommandant und der Schmid Carl Petermann als erster Spritzenmeister der Stadt berufen.
1775 (18.02.) ergeht durch Herzog Friedrich August von Sachsen eine neue (gedruckte) "General-Feuerordnung", die ausführlichst in 4 Kapiteln alle aktuellen Bestimmungen für vorbeugenden Brandschutz, Brandbekämpfung und Schadensregulierung enthält. In den folgenden Jahrzehnten kommt es zwar in der Stadt zu weiteren Bränden, die aber nur lokalen Schaden anrichten. Die kontinuierliche strenge Inspektionstätigkeit und verbesserte Organisation und Wirksamkeit bei der Brandbekämpfung scheinen einige Früchte zu tragen
1804 & 1834 Für die Zeit fehlen alle Unterlagen
1835 Kommt es zur Errichtung einer "Neuen Feuerordnung", nach der die 20 Innungen mit dem Feuerlöschdienst betraut werden (Aufgabenverteilung).
1837 Ist von einem "gewöhnlichen allnächtlichen Feuerwachdienst" die Rede, zu dem vermutlich schon seit langem die Bürgerschaft wechselweise verpflichtet wurde. Im gleichen Jahre wird ein "Gebäudeabschätzungsverzeichnis",
1838/39 ein Kataster der Ortsgebäude nach dem Gesetz vom 14.11.1835 angelegt.
1849 beantragen der Vaterlands-und Volksverein die Anschaffung eines Mannschaftswagens, da das Mitfahren der Löschmannschaft auf der mit 4 Pferden bespannten ("fallsüchtigen") Spritze wegen häufigen Umschlagens zu gefährlich sei.
1850 wird der Stadtrat ersucht, eine Feuerordnung herauszugeben, da niemand eigentlich richtig wisse, was er zu tun habe (!).
1851 und in den Folgejahren entsteht ein neues Brandversicherungskataster auf der Grundlage des Gesetzes vom 15.04.1849
1854 Ein Verzeichnis nennt die Standorte und Anzahl der "Geräte und Utensilien" der Feuerlöschkräfte. Das "große Spritzenhaus" befindet sich an der Kirche. Das andere (auf den Berg befindliche) wird als "Berg-Spritzenhaus" bezeichnet.
1856 wird der Stadtrat von der Kreisdirektion Leipzig aufgefordert, eine Feuerlöschordnung nach dem Muster der Städte Borna und Pegau auszuarbeiten, die
1857 (09.09.) gedruckt erscheint. Danach unterstehen "Feuerpolizei und Löschanstalten" einem "Königl. Feuer-Commisar", dem Stadtrat und einem von ihm gewählten "Ortsfeuerwehr-Director" nebst Stellvertreter. Alle Einwohner zwischen 18 und 60 Jahren sind im Schadensfall zur Hilfeleistung verpflichtet. ältere, weibliche und gebrechliche Hausbesitzer habe Befreiungsbeiträge zwischen 15 Neugroschen und 1 Taler in die Feuerkasse zu zahlen. Unterschieden werden zwischen "allgemeinem und besonderem Feuerdienst". Die Mannschaften für den "besonderen Dienst" werden vom Feuerdirektor und einer Deputation ausgewählt und durch Los in 3 Klassen eingeteilt (die entweder sofort für 2 Jahre aktiven Dienst zu leisten haben oder der 1. bzw. 2. Reserve angehören). Aus der aktiven Mannschaft werden die Lösch-, Rettungs-und Wachkompagnie gebildet. Jede untersteht einem Hauptmann und Stellvertreter("Lieutnant"). Die 3 Züge der Lösch-Kompagnie unterstehen einem Zugführer und 2 Spritzenmeistern. Alle Kommandeure - außer den "Obristen" - werden für 2 Jahre gewählt und sind danach erneut wählbar. Weitere Bestimmungen regeln das Verhalten aller Dienstverpflichteten im Brandfall und Disziplinarisches. Mindestens einmal jährlich findet ein Manöver statt. Erster Städtischer Feuerdirektor ist der Zimmermeister und Stadtverordnete Gustav Waldschlägel, Stellvertreter Senator Lehmann.
1858 kauft der Stadtrat beim Leipziger Glockengießer Jauck für 480 Taler eine Spritze nebst Schläuchen und Zubehör, wird der Auftrag für den Bau eines neuen "Communenspritzenhauses" und eines Mannschaftswagens vergeben (die Landesbrandversicherungs-Kammer steuert 100 Taler bei, weitere 46 Taler und 15 Neugroschen werden durch die Versteigerung der "BergischenSpritze" eingenommen).
1861 wird der aus dem Amt scheidende Vize-Feuerdirektor, Senator Lehmann, durch den Schankwirt Reinhard ersetzt.
1862 (30.11.) Wahl der Hauptleute der Rettungs-und Wachkompanie



In Sachsen wurde nun vor 160 Jahren die Idee geboren, zusätzliche Feuerwehren auf freiwilliger Basis zu schaffen (1841 entstand in Meißen die erste freiwillige Feuerwehr). Wenn sich auch die Bedingungen für deren Wirksamkeit auf örtlicher Ebene zunächst sehr unterschieden, läßt sich doch sagen, daß die Unterstützung durch die Behörden insgesamt sehr zu wünschen übrig ließ. Vielfach wurden freiwillige Wehren sogar regelrecht boykottiert. Letztendlich hat aber das auf dem Prinzip der Freiwilligkeit beruhende, gut organisierte Löschwesen seine überlegenheit bewiesen und die Pflichtfeuerwehr verdrängt.

D.Wünschmann