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Wasserstand Zwenkauer See:

Wasserstand derzeit um die 112,50 m ü.NHN bis Fertigstellung der Harth-Schleuse und des Harth-Kanals.

Endwasserstand nach Fertigstellung (ca.2020-22): 113,5 m ü.NHN

 
 
 


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Zwenkauer See
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Fotogalerie Zwenkau
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200 Jahre Apotheke in Zwenkau

"Artzeney und Juristerey geben guten, fetten Brey!"

Oder anders: Als Apotheker und Advokat lebt sich`s nicht schlecht - meinte das Volk. Und was im Allgemeinen galt, dürfte nun durchaus auch für Zwenkau zutreffend gewesen sein!
Tatsächlich zählten Ärzte, Apotheker und Rechtsanwälte, wie auch Bau- und Postmeister, Mühlen-, Brauerei- und Gutsbesitzer zu den Honoratioren, den vermögenden und angesehenen Bürgern der Kleinstadt. Aus ihren Reihen wählte man vorzugsweise die Stadträte: den Bürgermeister, Ortsrichter und die beiden Beisitzer. Das weitere Studium der Ratswahlakten ermöglichte es nun auch, das Datum der Ersterwähnung der Apotheke (1767) noch weiter zurück zu verlegen, denn der Apotheker Johann Michael Trüber (Drüber) wird bereits 1715 als Ratsbeisitzer aktenkundig.

Im Jahre 1721 schrieb er dann ein Rücktrittsersuchen an den Rat mit der Begründung, dass das Amt doch sehr viel Zeit beanspruche, die seiner Apotheke und den Kranken verloren ginge:

Denselben wir(d) wol wißend sein, daß ich wegen meiner Profeßion und Praxis halber, vielmal von den Rath-Hauß um der Krancken Notdurfft Willen bin gerufen worden, und weil ich umb mehrere Notdurfft Willen, meine Apothecke nunmehro vermehren, und completer machen will, worzu viel Zeit und Fleiß erfordert wird.
Er bittet schließlich den Rat, "ein anderer Subjectum (zu) erwählen".


Sein Gesuch muss akzeptiert worden sein, denn ab 1721/22 war er nicht mehr unter den Stadträten zu finden!
Halten wir fest:Die Apotheke ist de facto nunmehr bereits 1715 - 3 Jahre nach dem Stadtbrand - nachweisbar!
(Das sie schon weitaus früher existierte, daran ist wohl kaum noch zu zweifeln!)

Um 1850 wird die Offizin im Besitz des Apothekers Berduch gewesen sein. Ihm folgte dann Gottlob Bernhard Topf, der als "Bürger Meister und Rath allhier" ein recht interessantes Kapitel Apothekengeschichte geschrieben hat. Immerhin war er zeitweilig eine ziemlich heftig umstrittene Persönlichkeit!
Wann genau er in Zwenkau antrat und ob unsere Stadt sein erster Dienstort war, ist nicht überliefert. Auf jeden Fall handelt es sich um die Zeit nach 1758, denn in diesem Jahr hatte er im Thüringischen seine Apotheker-Ausbildung abgeschlossen.

Der ihm Jahrzehnte später abverlangte Befähigungsnachweis zur Leitung einer Apotheke sollte ihn noch in eine sehr schwierige Lage bringen. Und das kam so : Im Jahre 1785 brauten sich "schwere Gewitterwolken" über der Apotheke in der Amtsvorstadt und über dem Haupt ihres Besitzers zusammen. Ein Grund dafür bestand darin, dass irgendwer behauptet hatte, Topf sei überhaupt kein "richtiger" Apotheker. Gleichzeitig sagte man ihm nach, er sei der "Medicus" eines verstorbenen Eythraer Bürgers gewesen, also ein Kurpfuscher! Die erste Anschuldigung war, wie sich bald herrausstellen sollte, auch keineswegs aus der Luft gegriffen. Als er sich nämlich vor der Bürgerschaft legitimieren sollte, konnte er nur ein Zeugnis seines "Ausbilders", des Apothekers Johann Christian Schneider aus Buttstädt (?) vorweisen, das dieser im Jahre 1758 verfasst hatte. Er bescheinigt darin Gottlob Bernhard Topf, Sohn des Johann Christian Topf aus Bonndorf, in seiner Officin 6 Jahre lang (von 1751 bis 1757) als "Apotheken Junge" (Lehrling) tätig gewesen zu sein, gut und gewissenhaft gearbeitet und sich geführt zu haben.

In einem Handwerksberuf entsprach das in etwa dem Gesellenbrief. Wie jedermann weiß, bedurfte es zur Führung eines Betriebes aber des Meisterbriefes - im Apothekenwesen "Concession" genannt.
Nun erschien es naheliegend, dass in den einzelnen deutschen Landen unterschiedliche Gepflogenheiten und Bestimmungen existierten. In Kursachsen bildete das Mandat von 1768 die gesetzliche Grundlage. Darin wurde verfügt, dass ein gelernter Apotheker erst zur Leitung einer Apotheke befugt sei, wenn er sich einer Prüfung ("Testimonium") an der Universität mit Erfolg unterzogen habe. (Ein Pharmazie-Studium wurde dafür offenbar noch nicht zur Bedingung gemacht.)
Topf hätte also wissen müssen, dass er, um in kursächsischen Landen praktizieren zu können, die Universitätsprüfung nachholen musste. Das hat er aber unterlassen. Es wäre möglich, dass er schon vor 1768 als Apotheker in Zwenkau tätig war und meinte, dieser Umstand würde für ihn Legitimation genug sein. Oder er könnte sich nach 1768 für die Apotheke beworben haben und der Stadtrat versäumte es, sich die geforderte Konzession vorweisen zu lassen.
(Immerhin hielt es der Rat erst im Jahre 1801 für angebracht, sich intensiver mit der Frage der "Legitimation der Aerzte, Wundaerzte und Apotheker" zu befassen und dazu einen Aktenband anzulegen.)

So ging nun Ende November 1785 dem Merseburger Stiftsamt eine "Anzeige" Zwenkauer Bürger zu, die man nicht einfach vom Tisch fegen konnte und nach Aufklärung verlangte. Es erging in üblicher Manier eine Rückfrage an den Zwenkauer Rat, der am 10.Januar 1786 seine im schönsten Kanzleideutsch verfasste Stellungnahme abgab. Man muss sie langsam, Wort für Wort lesen, um einigermaßen "des Pudels Kern" zu erfassen:

Nun hat zwar nach der Ratsbeisitzer und Apotheker Gottlob Bernhard Topfen hierüber abgeforderte Anzeige er oder seine Apotheke kein ausdrückliches Privilegium oder Concession vor sich, und er solche von dem vorherigen Apotheker Berduch, noch ehe er sich mit einem Hause ansässig gemacht, erkaufet ohne einmal den [Vorgang, Text] zu Papier zu bringen, indessen ist er doch nach dem fol(ium) 37 in beglaubigter Abschrift befindlichen Lehrbriefe ein gelernter Apotheker.


(Ferner wird darauf verwiesen, dass er jährlich 12 Groschen "Schutzgeld" an die Stadt zahle)

Der Stadtrat gesteht faktisch ein, dass nie eine Berufs-Konzession vorgelegt worden war. Andererseits stärkt er dem Apotheker den Rücken, indem er nahe legt, den Berufsnachweis zu akzeptieren. Nach heutigem Rechtverständnis ein Unding!
Die Erklärung ist rasch gefunden :
Im Jahre 1776 wurde Topf formell mit dem "Sattelhof" belehnt. Da der Rat Lehnsnehmer des alten Merseburger Lehnshofes war, kamen dafür in der Regel Bürgermeister, in Ausnahmefällen auch andere Stadträte in Betracht. Topf war zu dieser Zeit schon Ratsbeisitzer und somit eine angesehene Persönlichkeit. (Wann er Stadtoberhaupt wurde, bleibt noch herauszufinden). Mehr muss man wohl dazu nicht sagen.

Nach einiger Zeit dürfte sich der "Sturm" wieder gelegt haben. Topf konnte jedenfalls mit Duldung durch die Merseburger Verwaltung weiter praktizieren. Der Fall war offenbar zu den Akten gelegt worden. Auch die Zwenkauer Bürgerschaft schien sich wieder beruhigt zu haben. Einmal mehr hatte sich die alte Erkenntnis bestätigt, dass gegen eine allmächtige Bürokratie und die willkürliche Auslegung der Gesetze durch die Obrigkeit ohnehin kein Kraut gewachsen ist.

Rund 10 Jahre später brachte Topf sich aber selbst wieder ins Gespräch. Und zwar bemühte er sich um ein "Apotheken-Privileg", das ihm für den weiteren wirtschaftlichen Fortbestand und das Ansehen seiner Officin unerlässlich schien. So verfasste er einen Antrag an die Stiftsregierung. Diese hielt sich aber (aus verständlichen Gründen) bedeckt, was den Apotheker veranlasste, sich im Dezember 1795 und im Februar 1796 mit Petitionen direkt an den Krfürsten zu wenden. Dass dies scheinbar fruchtete, beweist die Anforderung einer Stellungnahme durch die Stiftsregierung im März 1796 beim Bürgermeister.

Doch die Mühlen sächsischer Bürokratie liefen langsam! Noch ganze 4 Jahre sollten vergehen, bis das ersehnte Privilegium erteilt wurde. Allerdings: der Privelegierte hieß nicht Gottlob Bernhard Topf, sondern Friedemann Theodor Andorf!
Topf war wohl mittlerweile "müde" geworden und 1799 nach Pegau "abgewandert". Vielleicht wurde ihm wegen der fehlenden Konzession auch das "privilegium exclusivum" verweigert. Ungeachtet dessen praktizierte er in Pegau weiter und ist dort 1828 verstorben.

Zwenkau scheint er nichts nachgetragen zu haben - im Gegenteil! Seine Verbundenheit (und seinen Dank für die vom Rat erwiesene "Schützenhilfe"?) bekundete er testamentarisch mit einem Legat von 100 Talern zu Gunsten der städtischen Armenkasse.

D.Wünschmann